Kontakt und zur Person

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YVONNE POUGET (geb. 1967) ist freischaffende Künstlerin, Choreographin und Tänzerin, außerdem als Heilpraktikerin auf dem Gebiet der Psychotherapie tätig; sie ist Mitglied der DGT (Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie e. V.).
Im Laufe ihrer international erfolgreichen künstlerischen Karriere verfolgte sie intensive Forschungen zu verschiedenen Bewegungssystemen und Möglichkeiten, sich nonverbal über den Körper auszudrücken und mit der Umwelt zu kommunizieren. Ihr gelingt es, persönliche Emotionen in universelle umzuwandeln, und dem Publikum so tiefe seelische Welten zu erschließen. Der Zuschauer wird dabei klar dazu aufgefordert, in sich selbst hineinzuschauen, um die eigene Menschlichkeit und den Respekt vor dem eigenen Sein wiederzuentdecken, mit allem was es bedeutet menschlich zu sein.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sie sich intensiv und wissenschaftlich begleitet mit dem Themenkreis sexueller Missbrauch, posttraumatischer Belastungsstörungen, Dissoziation, weiblichen Körperbildstörungen und der Weitergabe von Kriegstraumata an die nächsten Generationen.
Yvonne Pouget gilt heute zu Recht als Expertin und Pionierin für die Umsetzung dieser anspruchsvollen Themen. Ihre Arbeiten zur Thematik „Trauma und Traumafolgestörung“, dargestellt in Ausdruck und Tanz, haben weltweit einen hervorragenden Ruf.

Neben der künstlerischen Bearbeitung dieser Themen hat die im japanischen Butoh Tanz bei Ko Murobushi und Charlotta Ikeda ausgebildete Künstlerin FASCIAL FLOW als einen körperorientierter Ansatz zur Behandlung (komplexer) Traumafolgestörungen entwickelt.
Mit ihrer Methode auf der Struktur der Faszien unter Integration des Nervensystems kann Yvonne Pouget Stress- und traumbasierten Erkrankungen, psychosomatische Erkrankungen, anhaltenden Schmerzstörungen, und Erschöpfungs- und Erstarrungsphänomene unklarer Genese erfolgreich behandeln. Ein Schwerpunkt ihrer eigenen Forschungen und Arbeitsansätze liegt auf sprachtherapeutisch schwer zugänglichen Phänomenen somatischer Dissoziation, “Emotional Freezing”, frühkindliche Traumata und Bindungsstörungen. Sie ist Pionierin und Expertin für die Symptome der mit dem neuen ICD11 eingeführten Dissoziativen Neurologischen Symptomstörung.

Yvonne Pouget wurde mit Fascial Flow 2016 vom Vorstand der „Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie“ (DeGPT), als Expertin in die Arbeitsgruppe für „Körperorientierte Verfahren in der Traumatherapie“ der DeGPT geladen. Als Dozentin für traumasensibles Faszientraining nahm sie 2016 an allen Treffen der Arbeitsgruppe teil. Im Herbst 2020 ist sie beim gemeinsames Symposium der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum der Universität München, LMU München und der DÄGfA mit „Fascial Flow – ein körperorientierter Ansatz zur Behandlung (komplexer) Traumafolgestörungen“ als Dozentin geladen.

Yvonne Pouget hat eine Ausbildung in Brainspotting (von David Grant lizensierte Ausbildung bei Brainspotting Germany); sowie Weiterbildung an anerkannten Institutionen in Ego State Therapie, Hypnotherapie, Integrativer Traumatherapie, und EMDR.

Tarantismus – im Spinnennetz gefangen, der Nebel am Fluss

Fascial Flow Training und Einzelarbeit von Yvonne Pouget nutzt die verschiedenen Möglichkeiten des menschlichen Organismus Spannungszustände abzubauen, die im menschlichen Nervensystem angelegten natürlichen Fähigkeit zu behutsamen Entladung des Discharges durch neutrogenes Zittern, Fascial Unwinding, Tension Melting.

Durch das Faszien Flow Training, immer unter Integration des Nervensystems, wird durch eine sensible Aktivierung von propriozeptiven Rückmeldungen (Propriozeptoren sind Muskel-, Gelenk- und Sehnenrezeptoren, die Informationen über die Haltung und Bewegung des Körpers an das Zentrale Nervensystem weiterleiten) im Gehirn eine Neuorganisation angeregt. Ein wichtiger Schlüssel sind die eigenen eurobiologischen Forschungen von Pouget zum Phänomen des süditaienischen Tarantismus und Pizzica.

Ein Exkurs nach Süditalien, Hysterie und Tarantismus

Bis in die 50ziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein konnten im Salento/Süditalien Frauen, die nach schweren traumatischen Ereignissen Dissoziative Symptome einer komplexen Traumafolgestörung (PTBS) entwickelten mit Hilfe dieses therapeutischen Musikrituals erfolgreich behandelt werden. Die Musiker mussten ein Musikstück, einen Rhythmus finden, das die erstarrte Frau in „kopflose“, Bewegung brachte. Durch ungefilterte, willkürliche Bewegungen, bei denen die Muskeln und Faszien ihre aufgeladen (Über-)Spannung entladen konnten, gelang es die Frau von ihren Symptomen zu befreien. Das Ritual wurde ohne Unterbrechung über mehrere Tage durchgeführt, mehrere Frauen kümmerten sich um den sich windenden Körper der Frau, behüteten den Körper, hielten ein Kissen unter dem Kopf, damit die Frau sich nicht verletzen konnte, und standen ihrer Seele durch ihre Gebete und Gesänge bei. Sie unterstützten die „Tarantata“ bis der Organismus der körperlich völlig erschöpften Frau sich in eine Art von Brücke auf dem Kopf, die an die Position des „Arc de Cercle“ denken lässt, aufbäumte (Der Arc de cercle (franz.:Kreisbogen) oder große Bogen ist ein von Jean Martin Charcot (1825–1893) beschriebenes Phänomen, welches im Zusammenhang mit dem großen hysterischen Anfall (Hysterie grande) auftritt. Der Körper wird dabei kreisbogenartig nach hinten überstreckt. Der Kopf wird in den Nacken gelegt und auf die Unterlage gepresst, während der Rücken durch die Überstreckung angehoben wird).

Yvonne Pouget, die anders als ihre Name vermuten lässt süditalienische Wurzeln hat, ist Expertin für dieses süditalienische therapeutische Musikritual. Im Zuge ihrer langjährigen Recherche, die Beobachtung, Analyse und Auswertung der natürlichen Fähigkeit des Menschlichen Organismus den Discharge zu entladen, welche im menschlichen Nervensystem angelegt ist, welches z.B. die amerikanische Körpertherpieform TRE, Myofaszial Unwinding oder die Myoreflextherapie nutzt, schreibt Yvonne Pouget die Wirksamkeit dieses süditalienischen therapeutischen Musikrituals, das in einem geschützten und sozial anerkannten Rahmen statt fand, den propriozeptive Rückmeldungen (Propriozeptoren sind Muskel-, Gelenk- und Sehnenrezeptoren, die Informationen über die Haltung und Bewegung des Körpers an das Zentrale Nervensystem weiterleiten) zu. Durch die vollständiger Entladung der in den Muskeln und Faszien eingeschriebenen Überspannung des Erstarrungs-Reflexes, die ihren Höhepunkt und Abschluss darin findet, das die “Tarantata” sich ekstatisch in die Brücke-Position aufbäumt, und dabei die Matrix der Faszien endgültig zurück in seine ursprüngliche nicht zusammengekrampfte Dimension ausdehnend, kommt es durch die propriozeptiven Rückmeldungen über mehrere Tage im Gehirn zu einer Neuorganisation, das Gehirn wird zurückvernetzt.

Als Choreographin hat Yvonne Pouget mit ihrem Musiktanztheater “Identità” die Kraft und seelische Dimension dieser wissenschaftlich faszinierenden “Bottom-up- Methode zur Traumheilung”, die heutzutage in Vergessenheit geraten ist, als poetisch transformierte Fassung begleiteten von Pino De Vittorio, dem wichtigsten Bewahrer des authentischen musikalischen Repertoires dieses alten therapeutischen Musikrituals auf die Bühne gebracht. Pino De Vittorio´s Interpretationen enthalten die Essenz, die Kraft und die heilende Wirkung der Musik. 2014 wurde Identità” zuerst in München, und danach ein Gastspiel in Taranto, im Salento in Süditalien, in der Wiege des Tarantismo und der Heimatstadt des Sängers im Jahr seines 60. Geburtstages zur Wiederaufnahme gebracht.

Auszug aus dem Programm von 2009:

„Menschen, die mit ihrer Hilflosigkeit allein gelassen werden, verleugnen und verdrängen ihr Erleben und kapseln es ab. Daraus entstand bei vielen Kriegskindern eine Unfähigkeit, ihr Schicksal als Teil ihrer Identität gefühlsmäßig anzunehmen. Sie entwickeln sich gleichsam zu stummen Zeugen der eigenen Geschichte. Es sind Menschen, die ihre Biografie als Kinder der Kriegs- und Nachkriegszeit kennen, aber keinen gefühlsmäßigen: Kontakt dazu haben. Sie kennen die Fakten, wissen um die Geschehnisse, aber sie erleben sie so, als hätten sie keine besondere Bedeutung. Dieser Komplex ist in den meisten Leben nicht wirklich zu bewältigen und bewirkt die Unfähigkeit zu trauern. Er bildet den Kern dafür, dass die Not vieler Kinder der damaligen Zeit nicht gesehen oder schlicht verleugnet wurde. Was nicht gespiegelt und nicht verstanden wird, wird letztlich abgespalten oder verdrängt. In der Verdrängung können Entbehrungen und Verzicht aber nicht betrauert werden.“ ⋅ Zitat aus der Abschiedsvorlesung von Michael Ermann anlässlich der Entpflichtung als Professor an der Ludwig- Maximilians-Universität München, 20. März 2009

Das Thema war und ist Pouget ein großes Anliegen, da die Folgen der kriegsinduzierten Erstarrungsphänomene via direkt systematische weitergereichter Erstarrung bis in die Gegenwart immer noch konkret in einem enormen Ausmaß in der Bevölkerung wirken. Zum Gedenktag der Befreiung von der NS-Herrschaft, 75 Jahre Kriegsende, dem Ende des Faschismus in Italien, hat die Choreographin sich 2020 daran gesetzt, die Premiere Vorstellung der Produktion, in einer technisch hochwertigen Fassung in voller Länge für alle Interessierte kostenlos auf youtube zur Verfügung zu stellen.
Das Programmblatt der Premiere darf gerne angefordert werden.

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